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Stolpersteine für Singen
Am Donnerstag, den 14.7.2011, wurden in Singen, Hausen und Bohlingen Stolpersteine verlegt.
Folgende 13 Personen erhielten einen Gedenkstein:
Karl Mammert Thoma (Kommunist): Hausen, Zur Dornermühle 27
Frieda Gollrad, Zelglestr. 9
Otto Ehinger, Schmidstr. 13
Max und Helene Löwinstein, Hadwigstr. 28
Max Maddalena (Gewerkschafter), Schwarzwaldstr., DGB
Edwin Müller (Kommunist), Harsenstr. 6
Anton Reigel, Harsenstr. 12
Ernst Weiler, Harsenstr. 14
Albert Kapitel, Julius-Bührer-Str. 20 / Eisenbahnstr. 4
Heinrich Weber (SPD, Naturfreund), Byk-Gulden-Str. 11
Albert Bronner (Zeuge Jehovas), Wiesenstr. 2
Johanna Schwarz, Bohlingen, Bohlinger Dorfstr. 32
Rede zu Max Maddalena von Raoul Ulbrich, 2. Bevollmächtigter, IG Metall Singen
Biographie Max Maddalena
Geboren am 17. Januar 1895 in Riedheim, Amtsbezirk Engen. Gestorben am 22. Oktober 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Görden. Max Maddalena hatte drei Kinder aus zwei Ehen und war von Beruf Metallarbeiter und 1933 Reichstagsabgeordneter.
Max Maddalena wurde am 17. Januar 1895 unehelich als Maximilian Osswald in Riedheim geboren und mit der Heirat seiner Eltern, Enrico Maddalena und Katharina Osswald, legitimiert: er bekam die italienische Staatsbürgerschaft. Max verbrachte seine Kindheit und Jugend hauptsächlich in Riedheim, war zwischen 1898 und 1903/05 mit seinen Eltern auf Reisen und zwischenzeitlich mit Unterbrechungen auch bei seiner Mutter gemeldet, die 1906 nach Singen zog und dort eine Kostgeberei betrieb. Er wurde von der Großmutter Monika Osswald betreut, da der Großvater Osswald schon früh verstorben war und seine Mutter den Lebensunterhalt für sich und ihren Sohn bestreiten musste, nachdem der Vater Enrico die Familie 1903 verlassen hatte. In Riedheim besuchte Max Maddalena die Volksschule, die er mit 14 Jahren im Frühjahr 1909 abschloss. Schon als Heranwachsender hatte seine Kindheit ein ende, er musste –vermutlich auf dem Storzeler Hof- ein Zubrot für die Familie verdienen. Nachdem er kurzfristig zu seinem Vater nach Lyon gezogen war, um ein Handwerk zu erlernen, kehrte er in den Hegau zurück und begann, als Schlosser in den Eisen- und Stahlwerken Georg Fischer, der „Fitting“ zu arbeiten. Im März 1910 wurde auf Antrag seiner Mutter von der Gemeinde Riedheim erstmals ein Arbeitsbuch für ihn ausgestellt.
Ende August 1914 wurde Max Maddalena gemustert und meldete sich freiwillig zur Marine. Seinen aktiven Militärdienst konnte er erst antreten, als er die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt hatte.Im Oktober 1916 war er bei der Elite-Marine-Sturm-Kompanie in Flandern und ab 1917 war er Unteroffizier. Er wurde verschüttet und mehrfach verwundet, insbesondere durch einen Lungensteckschuß im Jahre 1917. Max Maddalena wurde mit dem Eisernenkreuz 1 und 2. Klasse, sowie der badischen Verdienstmedaille ausgezeichnet.
Max Maddalena lernte seine erste Frau Lina Happle in Singen kennen, schon bald hatten die beiden eine Tochter zu ernähren. Die beiden heirateten im Dezember 1916, da das nächste Kind schon unterwegs war.
1929 wurde seine erste Ehe geschieden, aus ihr entstammten zwei Töchter und ein Sohn. Zwei Jahre später heiratete er Hilda Eble.
Bis 1914 war Max Maddalena in der Fitting beschäftigt, nach 1918 in den Aluminiumwalzwerken als Metallarbeiter. Seit dem er als Schlosser in der Singener Industrie arbeitete, war er gewerkschaftlich organisiert und engagiert. Im alter von 16 Jahren trat er als Lehrling dem Deutschen Metallarbeiterverand (DMV) bei und übernahm seine erste gewerkschaftliche Funktion. Bereits 1913 schloss er sich der Arbeiterjugend und der Sozialdemokratischen Partei an; 1918 wurde er Mitglied der USDP und kam als deren Delegierter im Dezember zum Vereinigungsparteitag des linken Flügels der USDP mit der KPD. Seit 1921 war er Mitglied der KPD, 1922-23 politischer Leiter der KPD des Unterbezirks Singen Konstanz.
Das politische Aufgabengebiet Maddalenas war die Gewerkschaftsbewegung. Er war Betriebsratsvorsitzender in den Aluminiumwalzwerken, wurde Anfang 1921 zum Kassierer der DMV-Ortsverwaltung, im Februar 1922 zu dessen Bevollmächtigten für das Gebiet Singens-Konstanz gewählt und war als Streikführer in den Metallbetrieben der Region bekannt. Er trat als Redner bei Demonstrationen und Kundgebungen auf, so anlässlich der Ermordung Walther Rathenaus, als es in Singen ende Juni 1922 eine gemeinsame Demonstration der linken Arbeiterparteien gab. Am Tage der Beisetzung Rathenaus, am 4. Juli 1922, kam es zu einer zweiten, ausschließlich von der SPD und KPD getragenen letzten gemeinsamen Arbeiterdemonstration, die mit Reden der beiden Organisatoren Reinbold und Maddalena am Hohgarten begann und mit dem Sturm auf die Villa Scherer endete.
Ab 1925 lag Maddalenas Arbeitsschwerpunkt nicht mehr im Hegau, denn er war inzwischen hauptberuflicher KPD-Parteifunktionär. Wenn er aber seine Familie in Singen besuchte, versuchte die Partei eine Versammlung mit ihm als Redner zu organisieren. 1930 kam er aus Berlin und hielt die 1. Mairede am Kriegerdenkmal, die 1. Mai- Kundgebung ein Jahr später war vermutlich einer der letzten Auftritte Maddalenas in Singen.
Die Tätigkeit als Bevollmächtigter des DMV übte Maddalena bis zu seiner Entlassung wegen politischer Differenzen im Dezember 1924 aus, danach war er politischer Sekretär der Bezirksleitung Württemberg der KPD in Stuttgart. Von Oktober 1925 bis November 1930 war er in der Bezirksleitung Wasserkante der KPD in Hamburg als Gewerkschaftssekretär tätig, danach arbeitete er in Berlin als Mitglied der Reichsleitung der RGO (Revolutionäre Gewerkschaftsopposition).
Von Mai 1928 bis März 1933 gehörte Maddalena als Abgeordneter der KPD dem Reichstag an, er vertrat die Wahlkreise in Schleswig-Holstein, Hamburg und Breslau. Im Reichstag von 1930 saß er mit so berühmten Kommunisten wie Wilhelm Pieck,Ernst Thälmann, Walter Ulbricht und Clara Zetkin.
1932 berief ich die Rote Gewerkschaftsinternationale (RGI) nach Moskau. In Moskau hatte er bis November 1933 das RGI-Referat für Belgien und Luxemburg inne, musste aber wegen politischer Abweichung zwischenzeitlich in einem Moskauer Betrieb als Dreher arbeiten, bevor er ab August 1934 das Referat für Österreich und die Tschechoslowakei in der mitteleuropäischen Sektion der RGI übernehmen konnte.
Im Frühjahr 1935 folgte Maddalena dem Ruf der Auslandsleitung der KPD, um mit Herbert Wehner u. a. in Deutschland eine neue Reichsleitung der KPD aufzubauen. Nach wenigen Tagen wurde er mit anderen führenden Funktionären der KPD am 27. März 1935 in Berlin durch die Gestapo verhaftet, ein Spitzel der Gestapo hatte sie verraten. Die Verhaftung erfolgte an dem Tag als die erste illegale Sitzung der KPD in Berlin stattfinden sollte.
Am 4. Juni 1937 verurteilte der Nationalistische Volksgerichtshof, Maddalena zu einer lebenslangen Haftstrafe.
Die dreitägige Verhandlung wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt. Die von seinem Vater mit Hilfe der Europäischen Amnestiekonferenz in Brüssel beauftragten international bekannten Anwälte, Nitti aus Italien und Buisserel aus Belgien wurden mit Hilfe der Gestapo aus dem Gerichtssaal entfernt.
Als Begründung wurde angeführt „es sei nicht zulässig, dass im Gerichtssaal Ausländer neben Deutschen sitzen“.
Seine Strafe hatte Maddalena in Brandenburg-Görden zu verbüßen, wo seit der Machtergreifung Hitlers die kommunistischen Funktionäre einsaßen. Der Alltag der Gefangenen war durch Hunger und harte Arbeit gekennzeichnet, Maddalena wurden während der Haft alle Zähne ausgeschlagen.
Max Maddalena ist am 22. Oktober 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Görden, an einer Magenkrankheit und einem Lungensteckschuss aus dem ersten Weltkrieg, sowie mangelnder medizinischer Versorgung verstorben.
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